Schlafmittelabhängigkeit

Symptome und Ursachen im Detail

Symptome

Bei Personen, die von ihrem Arzt Benzodiazepine oder Nichtbenzodiazepine verordnet bekamen (z.B. als Schlafmittel oder gegen Ängste/Anspannungen) können folgende Entwicklungen auffällig sein und auf eine Abhängigkeit hindeuten:

  • Die Betroffenen nehmen die Benzodiazepine weiter ein, obwohl der ursprüngliche Behandlungsanlass (z.B. eine akute Belastungssituation, ein Todesfall in der Familie) nicht mehr besteht oder bereits Monate zurückliegt.
  • Das Fehlen der abendlichen Tablette oder eines neuen Rezepts löst grosse Sorgen und Ängste aus.
  • Das Medikament wird von den Betroffenen als Voraussetzung dafür empfunden, dass sie normale Alltagstätigkeiten bewältigen können. Sie nehmen am Abend (sogar wenn sie sehr müde sind) "zur Sicherheit“ eine Tablette ein, um auf eine ruhige Nacht zu vertrauen und sich den Belastungen des nächsten Tages gewachsen zu fühlen.
  • Für die Betroffenen erscheint eine Reduktion der Dosis oder ein Absetzen des Medikaments unvorstellbar und bereitet Angst.
  • Beim abrupten Absetzen des Medikaments können folgende Entzugssymptome auftreten: Verstärkte Schlafstörungen, Reizbarkeit, Nervosität, Zittern, Anstieg von Blutdruck und Puls, Bauchschmerzen, Durchfall, selten Verwirrtheitszustände und Entzugsepilepsien.

Ursachen

Grundsätzlich gilt, dass Benzodiazepine/Nichtbenzodiazepine

  • nur zeitlich begrenzt eingesetzt werden sollten (maximal 3–4 Wochen).
  • nach einem mit dem Arzt genau besprochenen Plan verwendet werden sollen.

So lässt sich sicherstellen, dass das für den Patienten optimale Präparat und die optimale Dosierung gewählt wird (so wenig wie möglich, so kurz wirksam wie nötig). Auch kann man vereinbaren, dass das Schlafmittel nur an einigen Tagen pro Woche eingenommen wird (um die Gefahr einer Absetz-Schlafstörung abzuwenden).

Zu Schlafmittelabhängigkeiten und -absetzproblemen kommt es zum Beispiel dann, wenn

  • Personen mit Schlafproblemen längerfristig und regelmässig zu Benzodiazepinen/Nichtbenzodiazepinen greifen und sich an deren Einnahme gewöhnen.
  • Patienten den mit dem behandelnden Arzt besprochene Einnahme-Plan nicht einhalten, zum Beispiel weil sie Mühe mit den schlafmittelfreien Tagen oder mit der Dosierung haben.
  • Patienten denken, dass der Wechsel zwischen verschiedenen Benzodiazepin-Präparaten sie vor einer Abhängigkeit schützt.
  • Patienten die verordnete Dosis eines Schlafmedikaments erhöhen, weil sie ansonsten die Wirkung mit der Zeit als zu schwach empfinden.
  • Patienten ein Schlafmedikament nach längerer Einnahme abrupt absetzen, anstatt zu versuchen die Dosis ganz langsam und unter ärztlicher Kontrolle auszuschleichen.

In der Schweiz

Eine Befragung im Jahr 2001 ergab, dass 7,5 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer Schlaf- und Beruhigungsmittel gebrauchen. Über 90 Prozent der Medikamente waren Benzodiazepine oder ähnlich wirkende Mittel. Zwei von drei Schlafmittelkonsumenten setzen das Medikament seit mehr als zwei Jahren ein.