Schläfrigkeit und Narkolepsie

Symptome und Ursachen im Detail

Symptome

So unterschiedlich die Ursachen einer Hypersomnie sind, so verschieden zeigen sich auch die Beschwerden der Betroffenen. Einige Beschwerden haben jedoch die meisten Hypersomniker gemeinsam:

  • Seit über drei Monaten leiden sie tagsüber an starker Schläfrigkeit bzw. einem manchmal unwiderstehlichen Schlafbedürfnis.
  • Bei monotonen Tätigkeiten (z.B. Fahren auf der Autobahn) oder in körperlich passiven Situationen (z.B. Zeitung lesen) drohen sie nach wenigen Minuten einzuschlafen.

Chronische Hypersomnie ist mit grossem Leidensdruck verbunden: Die Leistungsfähigkeit in Beruf und Privatleben sinkt mitunter erheblich. Oft führt dies zu psychischen Belastungen, Selbstzweifeln, Stigmatisierung ("Schlafmütze") und letztlich zum sozialen Rückzug des Betroffenen. Kinder und Jugendliche können in ihrer Ausbildung nicht die ihren Fähigkeiten entsprechende Leistung erbringen und verbauen sich so die Zukunft. Zudem steigt das Unfallrisiko (besonders im Strassenverkehr) um ein Mehrfaches. Eine Erkennung der Ursachen und deren Behandlung liegt deshalb nicht nur im Interesse des Betroffenen. 

 

Die Ausprägung der Symptome der Narkolepsie unterscheidet sich von einer Person zur anderen. Dies macht die Diagnose oft schwierig. Betroffene leiden alle unter Tagesschläfrigkeit in irgendeiner Form: Narkoleptische Schläfrigkeit kann als Schlafattacken, als Dämmerzustand, als Leben im Halbschlaf, als schnelle Ermüdbarkeit oder als dauernde Müdigkeit in Erscheinung treten. Die Schläfrigkeit tagsüber ist fast immer das erste Symptom der Narkolepsie und wird innert weniger Monate zu einem andauernden Problem. Wenn es während des Tages nicht zu unwiderstehlichen Schlafattacken kommt, wird eine Narkolepsie oft nicht erkannt, da das Leben im Dämmerzustand als normal empfunden wird.

Als weitere Symptome von Narkoleptikern können auftreten: 

  • Muskelschwächen bei Emotionen
  • Unfähigkeit sich beim Einschlafen/Aufwachen zu bewegen
  • gestörter Nachtschlaf

Unspezifischer sind:

  • Gedächtnisstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Schwindelgefühl
  • Lethargie
  • Gereiztheit
  • Motivationslosigkeit
  • Unscharfes Sehen

Der Beginn narkoleptischer Schläfrigkeit liegt am häufigsten zwischen dem 14. und 30. Lebensjahr. Die Krankheit kann aber auch bereits im Kindesalter oder erst mit 60 Jahren auftreten.

Mögliche Symptome der Narkolepsie sind:

Kataplexie
Damit werden kurze Anfälle von Muskelschwäche bezeichnet, die je nach Schweregrad der Attacke zu einem Erschlaffen der Gesichts- oder Halsmuskeln, zu undeutlichem Sprechen oder Stimmverlust, zu einem Weichwerden in den Knien oder sogar zum vollständigen Zusammensinken und Umfallen der Betroffenen führen können. Die Kataplexie ist ein spezifisches Symptom der Narkolepsie, das bei keiner anderen Krankheit auftritt. Dieses Symptom ist nicht bei allen Narkoleptikern vorhanden und manchmal wird es erst Jahre nach Einsetzen der Schläfrigkeit erstmals beobachtet. Man spricht von einem affektiven Verlust der Muskelspannung, weil diese Anfälle durch eine unerwartete Gefühlsregung wie z.B. durch Lachen, Freude, Überraschung, Ärger, Angst, Stress oder Trauer ausgelöst werden können. Die Muskelschwäche einer kataplektischen Attacke dauert zwischen einer Sekunde und mehreren Minuten. Das Bewusstsein ist während einer Attacke nicht gestört.

Schlaflähmung
Mit diesem Begriff wird eine vorübergehende vollständige Bewegungsunfähigkeit bezeichnet oder der Verlust der Sprechfähigkeit beim Einschlafen, Aufwachen oder bei völliger Entspannung. Manchmal hat die Person das Gefühl, nicht atmen zu können, obschon ihre Atemmuskeln nicht gelähmt sind. Weil auch die Augenmuskeln nicht von der Lähmung betroffen sind, können die Betroffenen ihre Augen während einer Schlaflähmung bewusst bewegen. Der Zustand der Schlaflähmung dauert einige Sekunden bis Minuten. Beim ersten Vorkommen wird er oft mit der Angst, einen Schlaganfall erlitten zu haben, erlebt.

Halluzinationen 
Dies sind nicht wirklich existierende Sinneswahrnehmungen beim Einschlafen oder Aufwachen: Manche Narkoleptiker haben lebhafte, oft angstvolle Traumerlebnisse mit wirklichkeitsnahen Szenen, die während des Einschlafens oder Aufwachens mit unterschiedlicher Beteiligung des Bewusstseins ablaufen. Solche Traumerlebnisse werden oft mit der realen Welt vermischt oder verwechselt, denn der Narkoleptiker nimmt sie bei vollem Bewusstsein wahr.

Meistens handelt es sich um Bilder oder Hörwahrnehmungen; Empfindungen des Tastsinns, des Geruchsinns oder einer Bewegung (Fliegen, Schweben, Fallen, Drehschwindel) kommen ebenfalls vor. Diese Symptome sind selten täglich vorhanden, sie können auch für Monate oder Jahre verschwinden und später wieder gehäuft auftreten.

Gestörter Nachtschlaf
Viele Personen mit Narkolepsie klagen darüber, dass sie nur oberflächlich schlafen und dabei alle Geräusche wahrnehmen oder dass ihr Schlaf oft von stundenlangen Wachphasen unterbrochen wird. Typisch für Narkoleptiker ist auch ein abruptes Erwachen ohne ersichtlichen Grund: Der Betroffene ist hellwach und verrichtet mitten in der Nacht Arbeiten oder bringt Ideen und Gedanken zu Papier, um sie nicht zu vergessen. Dieser gestörte Schlaf in der Nacht kann als Weiterführen des etwa 4-stündigen Ruhe-Aktivitäts-Rhythmus in die Nachtstunden hinein angesehen werden. Je länger die Narkolepsie bestanden hat desto häufiger werden die Schlafstörungen.

Kein Ansprechen auf Verhaltenstherapien für Schlaflosigkeit oder Schlafmittel 
Wegen ihrer Schlafstörungen in der Nacht werden Narkoleptiker gelegentlich für Patienten mit Schlaflosigkeit (Insomnie) gehalten. Verhaltenstherapien für Schlaflosigkeit und Schlafmittel verbessern den Schlaf von Narkoleptikern aber kaum oder nur ungenügend. Im Gegenteil: Behandlungen der Schlaflosigkeit bei Personen mit Narkolepsie führen zu vermehrter Angst vor Schlafattacken oder zur Zunahme der Kataplexieanfälle. Ein abruptes Absetzen von Schlafmitteln wird vom Narkoleptiker hingegen gut ertragen.

Automatisches Verhalten
Narkoleptiker können in Geistesabwesenheit oder im Halbschlaf Handlungen ausführen, die wenige Sekunden oder ein paar Minuten dauern. Zu den häufig gefundenen Verhaltensweisen gehören automatisches, wie durch einen “Autopiloten” gelenktes Autofahren und sich wiederholende einfache Handlungen, die roboterartig verrichtet werden. Wegen des fehlenden Bewusstseins werden bei diesen Verrichtungen jedoch Fehler begangen oder sinnlose Handlungen durchgeführt (z.B. Schuhe in den Kühlschrank stellen), was erst später bei voller Geistesgegenwart bemerkt wird.

Andere, unspezifische Symptome
Wahrscheinlich als Folge der erhöhten Schläfrigkeit oder des Ankämpfens gegen die Schläfrigkeit, leiden Personen mit Narkolepsie oft an Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen, Kopfschmerzen und Schwindelgefühl, Verlangsamung und Lethargie, Gereiztheit und Motivationslosigkeit, unscharfem Sehen oder Doppelsehen, geröteten oder glasig schimmernden Augen. Einzelne dieser unspezifischen Symptome können bei einer Person mit Narkolepsie sehr ausgeprägt sein und den Hauptgrund für einen Arztbesuch darstellen. Überdurchschnittlich häufig sind bei Narkoleptikern lautes Schnarchen, Atempausen oder periodische Beinbewegungen im Schlaf sowie körperliches Ausagieren des Traumgeschehens.

Ursachen

Die Ursachen der Schläfrigkeit sind vielfältig:

Schlafmangel
Ungenügend langer Schlaf ist die häufigste Ursache einer erhöhten Schläfrigkeit, meistens verursacht durch Schlafmangel während der Arbeitswoche und schlechte Schlafgewohnheiten.

Schlafstörungen bzw. schlechte Schlafqualität 
aufgrund häufigen Aufwachens, längeren Wachphasen oder häufigen, ungewöhnlichen Aktivitäten im Schlaf: Obstruktive Apnoe, Kathatrenie, Atmungsverminderung durch Muskelerkrankungen, Restless Legs Syndrom (RLS), Parasomnien (z.B. Schlafwandeln, REM-Verhaltensstörung), Essen im Schlaf, nächtliche Epilepsien, selten Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie).

Störungen des zentralen Nervensystems
Das Hirn reguliert Schlaf, Wachheit und Schläfrigkeit. Verschiedene Hirnareale und eine Vielzahl von Übertragungsstoffen sind bei diesen Prozessen beteiligt und es können dabei ab und zu Störungen auftreten, z.B. bei Vorliegen von Narkolepsie, idiopathischer Hypersomnie, nach einem Schädel-Hirntrauma, bei neurologischen Erkrankungen (z.B. Parkinsonsche Erkrankung, Multiple Sklerose), psychischen Erkrankungen. 

Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen
gehören auch zu den hirnbedingten Ursachen einer erhöhten Schläfrigkeit, werden hier aber getrennt aufgeführt, da sie einen anderen Ansatz zur Behandlung benötigen.

Medizinische Ursachen
der erhöhten Schläfrigkeit: Auch hier gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, an die gedacht werden muss:

  • Entzündungsstoffe im Blut können Schläfrigkeit verursachen: Bei akuten oder chronischen Infektionen mit oder ohne Hirnbeteiligung (häufig bei Mononukleose und HIV)

Ähnliche Mechanismen gelten auch für rheumatische Erkrankungen und Tumore

  • Schlechte Nieren- oder Leberfunktion
  • Hormonelle Störungen: 
  • Fehlendes Schilddrüsenhormon (Hypothyreose) macht müde und schläfrig
  • Eine ungenügende Funktion, aber oft auch eine Überfunktion, der Nebennierenrinde kann eine Schläfrigkeit verstärken
  • Eine ungenügend behandelte oder noch unentdeckte Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Die Krankheit äussert sich häufig in Abschlagenheit und Schläfrigkeit
  • Erhöhte Blutkalziumwerte, z.B. bei Überfunktion der Nebenschilddrüse, bei zu hohem Konsum von Vitamin D oder zu hoher Kalzium-Einnahme
  • Mangelzustände an Eisen und Vitamin B12

Einnahme oder abruptes Absetzen von Medikamenten
oder bewusstseinsverändernden Drogen (oft auch die Kombination von beidem); Vergiftung mit toxischen Substanzen

Genetisch bedingte Störungen
z.B. Prader-Willi-Syndrom 

Hormonelle Schwankungen
bei Frauen im Laufe ihres Menstruationszyklus, Schwangerschaft 

Die Narkolepsie ist seit mehr als hundert Jahren bekannt. Erst in den letzen Jahren wurde jedoch erkannt, dass bei Betroffenen ein wachmachender Übertragungsstoff im Hirn fehlt. Dies führt zu einem Ungleichgewicht der Schlaf-Wach-Regulation im Hirnstamm und im Zwischenhirn. Die Narkolepsie ist somit eine Störung des Schlaf-Wach-Systems und keine psychische oder epileptische Erkrankung.

Die bisherigen Forschungen konnten einen familiären bzw. genetischen Anteil bei der Entstehung von Narkolepsie belegen: Kinder von Narkolepsiekranken haben achtmal häufiger Probleme mit Tagesschläfrigkeit.

Neben der Veranlagung muss aber noch mindestens ein zweiter Faktor zur Auslösung der Krankheit beitragen, denn von eineiigen Zwillingen ist meist nur einer von Narkolepsie betroffen. Neuere Forschungen versuchen deshalb, mögliche Verknüpfungen mit dem Immunsystem oder einer besonderen Infektionsanfälligkeit herzustellen.

Eine Strategie

Viele Narkoleptiker entwickeln im Alltag eigene Strategien, um ihre Probleme mit der Schläfrigkeit erträglicher zu machen: Das regelmässige Einfügen von Schlaf- oder Entspannungspausen während des Tages, das bewusste Vermeiden von schlaffördernden entspannten Körperpositionen (z.B. gemütliches Sitzen oder Liegen) und eine übertriebene Geschäftigkeit, sind typische Verhaltensmuster von Personen mit Narkolepsie. Das wichtigste Symptom, das alle Narkoleptiker kennen, ist die unwiderstehliche Schläfrigkeit tagsüber. Häufig wird sie als eigentliche Schlafkrise beschrieben, die in Abständen von zwei bis vier Stunden wiederkehrt und/oder als Erschöpfung deutlich spürbar ist. Dieser Schläfrigkeitsrhythmus erinnert an den etwa 4-stündigen Schlaf-Wach-Rhythmus eines Neugeborenen. Ein kurzer erfrischender Schlaf kann dann die Schläfrigkeit für die Dauer von einer bis zu drei Stunden beseitigen.

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