Parasomnie

Symptome und Ursachen im Detail

Symptome

Die Symptome der Störungen des Erwachens aus dem Schlaf (Arousal-Parasomnien) äussern sich so:

  • Schlaftrunkenes Erwachen
    Diese Form findet sich am häufigsten bei Säuglingen und Kleinkindern, nur selten und in abgeschwächter Form bei Erwachsenen. Die nächtliche Episode beginnt mit Weinen und heftigen Bewegungen. Das Kind scheint wach zu sein und sieht verstört oder erregt aus. Es lässt sich aber weder beruhigen noch trösten. Es ist auch beinahe unmöglich, das Kind vollends aufzuwecken. Nach etwa einer halben Stunde tritt schliesslich Beruhigung ein und das ganze Geschehen wird durch ein kurzes Aufwachen beendet. Die Umstehenden können den Ablauf der Episode, die 5–40 Minuten dauern kann, nicht verändern. Erwachsene sollten nur dann eingreifen, wenn sich das Kind gefährdet.
  • Schlafwandeln
    Schlafwandeln tritt bei 15–20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen auf. Es wird vor allem bei älteren Kindern beobachtet. Die Episoden beginnen mit Aufstehen aus dem Bett. Es kann zum Gang durch das Schlafzimmer kommen, zu längeren Märschen durch das Haus oder gar auf die Strasse. Manchmal spricht der Schlafwandler mit – meist unverständlichem – Gemurmel.

Mehr oder weniger zielgerichtete Handlungen ohne ersichtlichen Sinn (z.B. Umschichten von Kleidern, Verrücken der Möbel) kommen vor. Die Episode dauert in der Regel 1–10 Minuten. Bei Kindern und Jugendlichen sind solche Störungen meistens harmlos und verschwinden vor der Pubertät von selbst. Einige einfache Vorsichtsmassnahman sind jedoch sinnvoll:

  • Gegenstände, mit welchen der Schlafwandler sich selbst oder andere verletzen könnte, sollten unter Verschluss sein, damit sie für den Schlafwandler unerreichbar bleiben.
  • Fenster sollten fest verschlossen und nicht leicht zu öffnen sein.
  • An der Schlafzimmertür eine Klingel anbringen, die meldet, wenn der Schlafwandler sein Zimmer verlässt.
  • Besonders in fremder und ungewohnter Umgebung (Ferienlager, Militärdienst etc.) ist die Unfallgefahr hoch. Wichtig ist, dass die neue Umgebung über das Vorliegen von Schlafwandeln orientiert ist und Vorsichtsmassnahmen auch dort eingehalten werden. 

Oft ist es sinnvoll, vorübergehend das Schlafwandeln medikamentös zu unterdrücken. Dazu soll die neue Umgebung über die Störung, wenn immer möglich, informiert werden.

Schlafwandeln im Erwachsenenalter ist weniger harmlos. In dieser Altersgruppe findet es sich immerhin noch mit einer Häufigkeit von 1,5–2,5 Prozent. Erwachsene neigen während des Schlafwandelns eher zu aggressiven Handlungen und Gewalttaten (bis zur Verletzung des Bettpartners), deren Resultate sie nach dem Erwachen dann fassungslos zur Kenntnis nehmen müssen. 

Schlafwandeln, das bei Erwachsenen neu auftritt, bedarf immer einer neurologischen und einer Schlaf-Abklärung und häufig auch einer ärztlichen Behandlung, da der Störung eine Hirnerkrankung zu Grunde liegen könnte.

  • Nachtangst
    Die Nachtangst, auch bekannt als Pavor nocturnus oder Incubus, ist die dramatischste aller Aufwachstörungen. Sie beginnt oft mit einem herzzerreissenden Schrei aus dem Schlaf heraus. Die betroffene Person zeigt alle Zeichen eines grossen Schreckens: Weite Pupillen, rasche Atmung, rasendes Herz (Pulsschlag mindestens doppelt so schnell wie vor Beginn der Episode), Schwitzen und extreme Erregung. Während einer solchen Attacke kann der Betroffene aus dem Bett springen, im Extremfall auch aus dem Haus flüchten und dabei sich und andere (z.B. bei Abwehrversuchen) verletzen. Nachher haben die Betroffenen jedoch keine Erinnerung an die Episode, die nur ein bis drei Minuten dauert.

 

REM-Schlaf-assozierte Parasomnien finden in der Phase des so genannten Traumschlafs- oder REM-Schlafs statt. Zwei wichtige Charakteristiken kennzeichnen den REM-Schlaf: 

1. Eine hohe Aktivität des Gehirns, die sich z.B. in Träumen oder im Einordnen von Gedächtnisinhalten äussert.

2. Eine stark verminderte Muskelspannung

Von aussen betrachtet, gleicht der Schlafende einem Schloss, in dem hinter vorgezogenen Vorhängen ein Fest gefeiert wird: Seine Augen sind zwar geschlossen, aber die Augen bewegen sich rasch (daher die Bezeichnung "REM", rapid eye movement, also rasche Augenbewegungen). Mit Ausnahme der Augen- und Atemmuskulatur sind die Muskeln des Schlafenden völlig entspannt. In diesem Zustand können folgende Symptome auftreten:

  • Albträume
    Dies sind mit grosser Angst erfüllte Träume, aus denen der Betroffene erwacht und an die er sich nach dem Erwachen meist in allen Einzelheiten erinnert. Aus Furcht, die erschreckenden Traumbilder wieder zu sehen, kann er danach oft nicht mehr einschlafen.
  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung
    Unsere Muskeln (mit Ausnahme der Augen- und Atemmuskeln) sind im Traumschlaf bzw. REM-Schlaf wie gelähmt. Diese normale Abnahme der Muskelspannung kann bei bestimmten Personen (meist älteren Männern) unvollständig werden und schliesslich ganz fehlen. Solche Schläfer fangen an, sich im Traum zu bewegen und ihre Träume auszuleben. Wenn sie im Traum mit einem Gegner kämpfen, schlagen sie ungehemmt los und der Faustschlag trifft u.U. die schlafende Ehefrau oder das Mobiliar des Schlafzimmers. Betroffene gurten sich deshalb im Bett vorsorglich an. REM-Verhaltensstörungen können plötzlich und vorübergehend auftreten (z.B. beim Alkoholentzug, beim Absetzten von Medikamenten gegen die Depression) oder sich langsam verschlimmern (vor allem im Alter). Grundlage sind dann oft degenerative Hirnerkrankungen.
  • Schlaflähmung
    Unter Schlaflähmung versteht man das angstvolle Erlebnis, in "gelähmtem Zustand" zu erwachen. Der Verstand ist erwacht, aber der Körper schläft weiter. Arme, Hände und Beine lassen sich nicht bewegen. Auch Schreien ist nicht möglich. Lediglich Atem- und Augenmuskeln sind von der Lähmung ausgenommen. Die Betroffenen bemühen sich verzweifelt, ihre Umgebung auf ihren Zustand aufmerksam zu machen. Sobald der Betroffene vom Bettpartner angefasst wird, ist die Lähmung aufgehoben und der ganze unangenehme Zustand beendet.

Schlaflähmungen werden häufig von angstvollen Trugwahrnehmungen (hypnagogen Halluzinationen) begleitet. Sie gehören zu den Symptomen der Narkolepsie, können aber auch bei Gesunden vorkommen und sind als isolierte Erscheinungen nicht krankhaft. Das Gefühl gelähmt zu sein ist jedoch erschreckend, besonders da durch die Schlaflähmung schwerwiegende Hirnfunktionsstörungen (z.B. ein Schlaganfall) vorgetäuscht werden können.

 

Zu den "anderen Parasomnien" zählen der dissoziiierte Status, Bettnässen, Stöhnen im Schlaf (Kathatrenie), das Syndrom des „explodierenden Kopfs“, Essen im Schlaf sowie Halluzinationen im Schlaf/Wachübergang. 

  • Dissoziierter Status
    Damit bezeichnet der Schlafmediziner einen Zustand, in dem die Betroffenen lebhafte Träume mit leichten Muskelzuckungen und raschen Augenbewegungen haben (was für den REM-Schlaf typisch ist). Sie befinden sich aber dabei gemäss dem Hirnstrombild im NREM-Schlaf. Derartige Episoden kommen vor bei Alkohol-Entzug, Narkolepsie und seltenen Hirnkrankheiten (z.B. olivo-pontocerebelläre Degeneration).
  • Bettnässen
    Wasserlassen im Wachzustand und im Schlaf wird durch einen Reflex gesteuert und kann vom Kind bis im Alter von ca. 18 Monaten nicht kontrolliert werden. Zwischen 18 Monaten und drei Jahren lernt das Kind zuerst im Wachzustand (dann auch im Schlaf) trotz einer vollen Blase den Zeitpunkt des Wasserlassens zu verschieben. Dieser Prozess ist abhängig von der Hirnentwicklung. Etwas willkürlich wurde festgelegt, dass Bettnässen dann auffällig wird, wenn es mindestens zweimal pro Woche nach dem Alter von fünf Jahren auftritt.

Schlafmediziner unterscheiden zwei Formen von Bettnässen, die verschiedene Ursachen haben: Das so genannte primäre Bettnässen (das Kind war nie ganz trocken) und eine sekundäre Form (in der das Kind oder der Erwachsene nach einer trockenen Zeit von mindestens sechs Monaten wieder beginnt, das Bett zu nässen).

Primäres Bettnässen wird bei 30 Prozent der 4-jährigen, 10 Prozent der 6-jährigen, 5 Prozent der 10-jährigen und 1–2 Prozent der 18-jährigen Kinder und Jugendlichen gesehen. Buben sind davon etwas häufiger betroffen als Mädchen (Verhältnis 3:2).

  • Stöhnen im Schlaf (Kathatrenie)
    Das Stöhnen im Schlaf ist selten. Genauere Daten zu Häufigkeit und Verlauf fehlen bis heute. Die Betroffenen atmen im Schlaf gepresst aus und erzeugen einen Ton, der oft einem Stöhnen ähnelt oder auch recht schrill sein kann. Episoden des Stöhnens im Schlaf können bis zu 60 Sekunden andauern (bis ein neuer Atem geholt wird). Sie finden sich in allen Schlafstadien, vermehrt aber gegen Morgen im REM-Schlaf. Veränderungen der Schlafposition können das Geräusch vorübergehend unterdrücken.

Aufgrund der langen Ausatmungsphasen kann es beim Betroffenen zum Absinken der Sauerstoffsättigung im Blut kommen und eine Kathatrenie wird deswegen fälschlicherweise als Apnoe bezeichnet.

Die Erfahrungen in den Kliniken für Schlafmedizin haben gezeigt, dass eine Kathatrenie mit einer erhöhten Tagesschläfrigkeit oder Müdigkeit verbunden sein kann; auch Heiserkeit am Morgen kommt vor.

  • Das Syndrom des „explodierenden Kopfs“
    Mit diesem Begriff wird eine Parasomnieform bezeichnet, bei welcher der Betroffene (häufiger beim Einschlafen als beim Aufwachen) unvermittelt einen ausserordentlich lauten Lärm im Kopf spürt oder das Gefühl hat, dass sein Kopf zerspringt. Sehr oft wird gleichzeitig ein heller Lichtblitz wahrgenommen. Diese Gefühle sind sehr unangenehm und verbunden mit der Angst, dass im Kopf etwas nicht stimmt oder dass diese Episode einen Schlaganfall ankündigt. Die Episode an sich ist meistens nicht schmerzhaft. Nur selten werden bedrohliche Vernichtungsschmerzen beschrieben.

Die Störung kommt nur selten, aber in jedem Alter vor. Sie kann in Intervallen (einmal im Monat) oder bei jedem Einschlafversuch auftreten, so dass dann das Einschlafen vom Betroffenen vermieden wird. Die Ursachen sind bis heute nicht bekannt. Im Verlauf des Syndroms sind bisher nie Folgekrankheiten (wie z.B. neurologische Störungen) beschrieben worden und es konnten auch keine Verbindungen zu psychologischen oder Stress-Belastungen dokumentiert werden. Eine medikamentöse Beeinflussung des Syndroms ist in der Regel möglich. Meistens verschwindet die Symptomatik nach einigen Jahren von selbst.

  • Halluzinationen im Schlaf/Wachübergang
    Halluzinationen beim Einschlafen und Aufwachen sind häufig: Bei Befragungen zeigt sich, dass ca. 25–37 Prozent Trugwahrnehmungen beim Einschlafen (also "hypnagog") kennen und 7–13 Prozent beim Aufwachen (also "hypnopomp"). Bei Jugendlichen sind Halluzinationen im Schlaf/Wachübergang häufiger, mit zunehmendem Alter nehmen sie eher ab. Frauen sind etwas mehr betroffen als Männer.

Meistens nehmen die Betroffenen Bilder wahr. Seltener ist es auch das Gefühl, Stimmen oder Geräusche zu hören, berührt zu werden oder unbekannte oder bekannte Gerüche zu riechen. Die Unterscheidung, ob diese Erscheinungen ein Teil der Wach- oder der Traumwelt sind, ist meistens nicht möglich. Die Trugwahrnehmungen sind oft verbunden mit Schlaflähmung und gehören zu den Symptomen der Narkolepsie. Sie kommen aber auch nach Sehverlust und bei verschiedenen degenerativen Hirnerkrankungen vor.

  • Essen im Schlaf
    Essen im Schlaf ist eine seltene Störung des Erwachens. Die Betroffenen essen nachts ohne Bewusstsein und Erinnerung und wundern sich am nächsten Morgen über die geplünderte Küche. Dabei wird alles gegessen, was gerade verfügbar ist (Gekochtes, Rohes oder sogar keine Nahrungsmittel, z.B. Seife). Die ungebremsten nächtlichen Mahlzeiten können zu erheblicher Gewichtszunahme führen. Sie sind eher bei jungen Frauen anzutreffen, kommen aber bei beiden Geschlechtern und in allen Altersstufen vor.

Ursachen

Die Ursachen für Parasomnien sind sehr unterschiedlich und lassen sich nicht immer eindeutig zuordnen.

Im Kindesalter sind Parasomnien häufig an bestimmte Entwicklungsstufen gebunden und in der Regel harmlos.

Beim erwachsenen Menschen können Parasomnien Ausdruck von Krankheiten sein, welche dringend ärztlicher Behandlung bedürfen und sollten deshalb immer medizinisch abgeklärt werden. 

Die Schlafmedizin gelangte bei der Ursachenforschung verschiedener Parasomnien bis heute unter anderem zu folgenden Erkenntnissen:

Schlafwandeln

  • War ein Elternteil Schlafwandler, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass auch sein Kind vorübergehend schlafwandeln wird, bei 45 Prozent.
  • wenn beide Elternteile schlafgewandelt haben, liegt sie sogar bei 60 Prozent.
  • Als Grund dafür vermutet man eine erbliche Reifungsverzögerung des Zentralnervensystems.
  • Äussere Faktoren wie Schlafmangel, Fieber oder Stress können das Auftreten begünstigen.
  • Häufig werden schlafwandlerische Episoden bei Kindern festgestellt, die unter Migräne leiden (28 Prozent dieser Kinder schlafwandeln). 

Bettnässen
Als Ursache für das so genannte primäre Bettnässen (also bei Kindern/Erwachsenen, die nie ganz trocken waren) scheinen vererbte Entwicklungsmuster wichtig zu sein. 

77 Prozent der Kinder von Eltern, die beide Bettnässer waren, und 44 Prozent der Kinder mit einem Elternteil, der betroffen war, sind primäre Bettnässer. Sekundäre Formen des Bettnässens (also bei Kindern oder Erwachsene nach einer trockenen Zeit von mindestens sechs Monaten) können körperlich und psychisch bedingt sein:

  • Unfähigkeit, den Urin zu konzentrieren (z.B. Zuckerkrankheit, Medikamente)
  • Zu viel Urin wird produziert (z.B. wegen Koffeingenuss oder Entwässerungstabletten)
  • Erkrankungen des Harnleiters und der Harnblase
  • Anfallserkrankungen mit Harnabgang, obstruktives Schlafapnoe-Syndrom
  • Bei Kindern: Belastungen wie z.B. die Scheidung der Eltern, Vernachlässigung, körperliche und sexuelle Übergriffe, Einweisung in ein Heim

Stöhnen im Schlaf (Kathatrenie)
Die Geräusche entstehen durch das Ausatmen gegen geschlossene Stimmbänder. Bisher konnten in den Untersuchungen des Kehlkopfs oder der Nervenversorgung der Stimmbänder jedoch keine Ursachen für diese Schlafstörung gefunden werden.

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