Kinder und Jugendliche

Nicht gewohnheitsbedingte Störungen

Aufwachstörungen

Bei diesem nur teilweisen Aufwachen aus dem Tiefschlaf werden nicht alle Hirnfunktionen im gleichen Mass wach; so ist beispielsweise beim Schlafwandeln die Fertigkeit sich zu bewegen gleich, wie im Wachzustand. Es schlummern aber noch die Hirnanteile weiter, die diese Bewegungen willentlich steuern. So kann sich das Kind am nächsten Tag nicht erinnern, was vorgefallen ist.

Schlafmangel, ein chaotischer Schlaf-Wach-Rhythmus und Emotionen wie Vorfreude und Sorgen können das Auftreten verstärken. Auslöser können Atemstörungen im Schlaf, saures Aufstossen, periodische Beinbewegungen und Fieber sein.

Das partielle Aufwachen ist für die Gesundheit des Kindes nicht gefährlich und ist keine Äusserung einer psychischen oder körperlichen Erkrankung.

Wir unterscheiden drei Störungsformen:

1. Schlafwandeln

Schlafwandeln tritt meist im ersten Drittel der Schlafperiode auf. 40% der Kinder zeigen dieses Verhalten, am Häufigsten im Vorschul- und Schulalter. Neben dem Aufstehen und dem Herumgehen sind beim Schlafwandeln auch komplexe Bewegungsabläufe möglich: Türen und Fenster werden geöffnet, Balkongeländer können überstiegen werden. Wichtig ist, dass die Schlafzimmer auf Gefahrenquellen untersucht werden: Fenster sollten verschlossen und Türen gesichert sein, gefährliche Gegenstände (scharfe Kanten, Spitzen, Glaswaren) sollten aus den Schlafzimmer entfernt werden. 

2. Verstörtes Erwachen aus dem Tiefschlaf

Verstörtes Erwachen tritt vor allem bei Kleinkindern und Kindern im Vorschulalter (5–15% der Kinder) auf.
Das teilweise Erwachen ist am Anfang mit Stöhnen oder anderen Lauten verbunden, gefolgt von Weinen und Rufen und von intensiven wilden Bewegungen im Bett. Das Kind erkennt seine Umgebung nicht und wehrt sich. Alle Versuche, es zu wecken, schlagen fehl und verschlimmern oft das Schreien und verstärken die Bewegungen. Diese Episoden enden abrupt, das Kind legt sich hin und schläft wieder ein. 

3. Der Nachtschreck (Pavor nocturnus)

Seltener (1% der Kinder) sitzen vor allem ältere Schulkinder und junge Erwachsene plötzlich mit einem durchdringenden Schrei im Bett auf. Das Schreien hält meist an, der Gesichtsausdruck ist voller Furcht, das Herz rast, Schweissperlen treten auf die Stirn. Das Kind lässt sich nicht anfassen, kann wild um sich schlagen und treten oder aus dem Bett springen und wie von etwas Unheimlichen gejagt, weglaufen. Diese Attacken dauern meist nur wenige Minuten.

Nächtliche Ängste und Alpträume

Alle Kinder haben von Zeit zu Zeit abends oder nachts in ihrem Bett Angst. Diese Ängste hängen vom Alter und der seelischen und körperlichen Entwicklungsphase des Kindes ab. Die Ursachen liegen in den Erlebnissen und Ereignissen, die tagsüber auf die Kinder einwirken. Ein Kind muss sich vielen neuen Herausforderungen stellen. Tagsüber können Sorgen und Eindrücke leichter unter Kontrolle gehalten werden. Wenn das Kind schläfrig wird, nimmt die Fähigkeit ab, Angst machende oder bedrohliche Gedanken zu verdrängen. Solche Ängste können das Einschlafen verhindern. Den Kindern ist es häufig nicht möglich, die eigenen Gefühle einzuordnen. 

Sprechen im Schlaf

Unter Sprechen im Schlaf versteht man Sprechen bzw. Äusserungen im Schlaf ohne gleichzeitige subjektive, detaillierte Wahrnehmung davon. Sprechen oder Lautäusserungen treten ausserordentlich häufig auf und sind harmlos. Nur selten kann dies so laut und intensiv sein, dass es einer Behandlung bedarf.

Zähneknirschen

Ungefähr 50% aller Babys knirschen mit den Zähnen. Normalerweise fängt das Kind im Alter von 10 Monaten, mit dem Wachstum seiner Schneidezähne, mit dem Knirschen an. Es ist ein normaler Vorgang und somit nichts Beunruhigendes. 

Verhaltenstherapie

Das Anpassen der Bettzeit an den Schlafbedarf ist nicht nur im Kindesalter, sondern auch bei Erwachsenen eine wichtige Massnahme bei Einschlaf- und Durchschlafstörungen. Man soll nur zu Bett gehen, wenn man ausreichend Müdigkeit verspürt und das Gefühl hat, einschlafen zu können. Das Bett soll mit Ruhe und Entspannung assoziiert werden und ist nur zum Schlafen da. 

Eine wichtige Aufgabe ist es daher für die Eltern, den Schlafbedarf des eigenen Kindes intuitiv oder unter fachlicher Anleitung zu erfassen und die Bettzeit anzupassen. Stellen sie sich nicht auf den individuellen Schlafbedarf ihres Kindes ein, resultieren oft hartnäckige Schlafstörungen.