Ein- und Durchschlafschwierigkeiten

Symptome und Ursachen im Detail

Symptome

Eine Insomnie kann sich durch folgende Beschwerden bemerkbar machen, die abwechslungsweise oder gleichzeitig auftreten:

  • erschwertes Einschlafen (länger als 20 Minuten)
  • vermehrtes Aufwachen
  • längeres Wachliegen in der Nacht
  • frühzeitiges Erwachen am Morgen
  • deutliche Tagesbeeinträchtigung

24-Stunden-Problem

Kennzeichnend ist immer, dass sich das Problem nicht nur auf die Nacht bezieht, sondern zusehends den Alltag belastet und zum 24-Stunden-Problem wird. Während der Nacht denken die Betroffenen mit Schrecken an die Belastungen des Tages, am Tag haben sie bereits Angst vor der nächsten schlaflosen Nacht. Der Schlaf wird zum Kernthema des Lebens. Die Sorge um die Schlafprobleme sowie die Beeinträchtigung der Tagesbefindlichkeit führen in einen Teufelskreis.

Verselbständigung vorbeugen

Im Fall einer länger als einen Monat bestehenden Insomnie, die den Betroffenen in seiner Tagesbefindlichkeit beeinträchtigt, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um eine Verselbständigung des Symptoms "Schlafstörung" vorzubeugen. Wenn sich die Schlafstörungen in absehbarer Zeit trotz eingeleiteter Interventionen nicht wesentlich bessern, so wird der konsultierte Arzt den Patienten an ein schlafmedizinisches Zentrum weiterleiten. Dort arbeiten speziell ausgebildete Mediziner und Psychologen eng zusammen.

Depressive Entwicklung

Die Betroffenen leiden oft nicht nur am Nicht-schlafen-können, sondern auch unter anderen Symptomen: Erschöpfung, Tagesmüdigkeit, Unwohlsein, Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten, Stimmungsschwankungen oder Gereiztheit, Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz (u.a. vermehrte Absenzen) und im Alltag, Motivationsverlust, Antriebslosigkeit und Energiemangel. Häufig werden aufgrund des allgegenwärtigen Schlafproblems Familie, Freunde und Freizeitaktivitäten vernachlässigt. Langfristig kann eine Insomnie eine depressive Entwicklung begünstigen.

Bei bestehenden depressiven Verstimmungen sowie Angststörungen sind Ein- und Durchschlafstörungen häufig vordergründige Symptome. In solchen Fällen ist eine ursächliche Therapie angezeigt, was oft eine längerfristige medikamentöse und/oder psychotherapeutische Behandlung bedeutet.

Ursachen

Einer Ein- und/oder Durchschlafstörung können folgende Ursachen zugrunde liegen:

  • ungünstige Umwelteinflüsse

z.B. Lärm oder störendes Licht

  • Belastungssituationen

die den Schlaf beeinträchtigen und sich dann verselbständigen (obwohl die auslösende Ursache keine Rolle mehr spielt), z.B. Schlafprobleme, die während einer Prüfungszeit entstehen und dem Betroffenen so grosse Sorgen machen, dass er sich auch nach den Prüfungen nicht mehr entspannen und gut schlafen kann: Dieses Phänomen nennt man erlernte Insomnie.

  • bestimmte Substanzen

die den Schlaf ungünstig beeinflussen, z.B. Alkohol und Koffein, langfristig eingenommene Schlafmedikamente sowie Psychostimulanzien wie Haschisch oder Amphetamine

  • andere Schlafstörungen

wie z.B. Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen

  • körperliche Erkrankungen 

z.B. auch Schlafstörungen, die eine Ein- oder  Durchschlafstörung bewirken, wie Restless Legs, oder allenfalls auch Störungen der Atmung wie die Apnoe

  • psychische Erkrankungen

z.B. Depressionen oder Angststörung


Kurzfristige Schlafstörungen: Kein Grund zur Besorgnis
In der Schweiz leidet circa jeder Dritte kurz- oder langfristig unter einer Insomnie. Die meisten von uns haben schon einmal eine schlaflose Nacht verbracht, entweder aus Gründen hoher Arbeitsbelastung oder eines ausgedehnten Vergnügens. Vielleicht waren es auch krankheits- oder stressbedingte Phasen, in denen man wenig geschlafen und keine Erholung gefunden hat. Nachdem Schmerzen, Sorgen, Nachtarbeit oder Festivitäten vorbei waren, hat sich dann der Schlaf und das Tagesbefinden wieder verbessert. Solche kurzfristigen Schlafstörungen sind kein Grund zur Besorgnis, denn unser Organismus verfügt über genügend Reserven, um vorübergehenden Schlafmangel zu tolerieren. 

Regelmässige Schlafstörungen: Behandlungsbedürftig
Bleibt die Störung indes über Wochen bestehen oder tritt sie ohne äussere Gründe auf, sollte sie abgeklärt werden, damit eine Chronifizierung verhindert werden kann. Jeder Zehnte in der Schweiz entwickelt eine Insomnie, die zu einer regelmässigen Störung des Schlafs und zu Tagesbeeinträchtigungen führt und deshalb behandlungsbedürftig ist.

Schwere Schlafstörungen erhöhen die Anfälligkeit auf Krankheiten und führen zu Motivationsverlust sowie Einbussen bei der Konzentrationsfähigkeit. Die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit der Betroffenen sinken, sie sind depressiv verstimmt, erschöpft und gleichzeitig permanent angespannt und gereizt. Zudem leiden sie oft darunter, dass ihre Beschwerden von der Umgebung nicht verstanden und nicht ernst genommen werden. Beziehungen werden belastet, der Schlaf wird für Insomniker zu einem Kernthema und die Verzweiflung über die Schlafprobleme verhindern die Nachtruhe immer mehr. 

Insomnien können als Ein-, Durch- oder Ausschlafstörungen auftreten und haben in der Regel mehrere Ursachen, die umgebungsbedingt sein können oder auf körperliche oder psychische Gründe zurückzuführen sind. 

Nach der Häufigkeit ihres Auftretens geordnet, liegen einer Insomnie folgende Ursachen zu Grunde:  

Psychische Ursachen 
In 50 Prozent der Fälle steht hinter einer Insomnie eine psychische Grunderkrankung. Oft verstärken sich deren Beschwerden und die Probleme der Ein- und Durchschlafstörungen gegenseitig. Eine spezifische Behandlung der Schlafstörung kann deshalb meistens die Befindlichkeit der Betroffenen deutlich verbessern und die Summe der Beschwerden reduzieren. 

Medizinische Ursachen
25 Prozent der Insomnien sind auf medizinische Ursachen zurückzuführen.

  • Alle Erkrankungen, die mit Schmerzen einhergehen, neigen dazu, den Schlaf zu stören und zu behindern. Personen mit chronischen Schmerzen oder Stoffwechselerkrankungen leiden oft unter Schlafproblemen und starker Tagesmüdigkeit.
  • Zu den häufigsten körperlichen Ursachen für Durchschlafstörungen gehören Herzbeschwerden und nächtliche Störungen der Atmung (z.B. Asthma, Schnarchen, Apnoe). Betroffene bedürfen einer genauen Abklärung durch einen Internisten, Neurologen, Pneumologen oder Schlafspezialisten und benötigen eine ursächliche Therapie.
  • Medizinische Ursachen einer Insomnie können auch störende Beinbewegungen vor dem Einschlafen oder während des Schlafs sein (Restless Legs Syndrom, periodische Beinbewegungen im Schlaf).
  • Ebenfalls zu den medizinischen Ursachen einer Insomnie zählen negative Einflüsse von Medikamenten oder Drogen auf den Schlaf. Paradoxerweise können ursprünglich als Schlafhilfen eingesetzte Medikamente, so genannte Hypnotika, bei langfristiger Einnahme zu einer Verschlechterung des Schlafs führen (nebst der Tendenz zu Dosissteigerung und zunehmender Abhängigkeit). In seltenen Fällen verstärken oder verursachen Schlafmittel sogar Atemstörungen im Schlaf und vermindern dadurch dessen Erholungswert. Alkohol, Nikotin, Koffein und andere Psychostimulanzien (z.B. Haschisch und Amphetamine) können Ein- und Durchschlafstörungen auslösen oder aufrechterhalten.
  • In 10 Prozent der Fälle erweist sich eine andere Schlafstörung als Ursache der Insomnie: So können z.B. Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus oder parasomnische Störungen wie Essen im Schlaf, Albträume und Schlafwandeln das Kernproblem darstellen.

Erlernte Ursachen 
Bei 15 Prozent der Insomniepatienten können psychische Erkrankungen und medizinische Faktoren ausgeschlossen werden. Die genaue Untersuchung zeigt, dass diese an einer so genannten psychophysiologischen oder erlernten Insomnie leiden. 

Teufelskreis
Die erlernte Insomnie wird meist durch eine Belastungssituation hervorgerufen und verselbständigt sich danach: Konflikte am Arbeitsplatz, Prüfungen oder Beziehungsprobleme erhöhen z.B. kurzfristig die körperliche, psychische und emotionale Erregung. Diese innere Anspannung beeinträchtigt die Schlafkontinuität und -tiefe. Der Betroffene nimmt den Schlafmangel wahr und beginnt, sich mehr und mehr um den Schlaf zu sorgen. Die Fokussierung auf das Schlafproblem und die Angst vor den Konsequenzen verursachen erneute Anspannung und körperlichen Stress, was die Schlafprobleme wiederum verschärft.

Schlaf als Thema Nr. 1
Die auslösende Ursache kann längst keine Rolle mehr spielen (der Konflikt ist gelöst, die Prüfung wurde bestanden), doch das Schlafproblem bleibt bestehen: Es hat sich verselbstständigt. Der Prozess entspricht einem Teufelskreis, bei dem sich die Wahrnehmung der Betroffenen zunehmend verengt. Der fehlende bzw. nicht zufriedenstellende Schlaf wird zum zentralen Thema im Alltag. Die Angst vor einer schlechten Nacht und Leistungseinbussen am darauf folgenden Tag führen zu einer inneren Anspannung, die den Schlaf erschwert und die Betroffenen folglich in ihrer Angst bestätigt, sich Sorgen machen zu müssen. Der Schlaf wird zum Gradmesser für Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Gesundheit und die betroffene Person erlebt einen Kontrollverlust: Ihr Körper lernt sich beim Zubettgehen automatisch anzuspannen, anstatt sich zu entspannen. Damit findet ein unbewusster Lernprozess statt: Die Schafstörung wird zur Gewohnheit. Deshalb wird von einer erlernten Insomnie gesprochen.

Andere Ursachen
Zu den möglichen Ursachen einer Insomnie zählen auch ungünstige Umwelteinflüsse: Den Schlaf beeinträchtigende Lärm- oder Klimaverhältnisse (z.B. niedriger Luftdruck in den Bergen), störendes Licht, unregelmässige Schlaf-Wach-Rhythmen und fehlende oder falsche Schlafrituale.

Definition

Insomnie ist der Begriff, mit dem in der Schlafmedizin Ein- und Durchschlafstörungen bezeichnet werden. Vereinfacht kann man Insomnie auch mit "Schlaflosigkeit" übersetzen, also zu wenig oder zu schlechter Schlaf.