Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten

Diagnose und Behandlung im Detail

Diagnose

Bei der Diagnose einer Insomnie geht es nicht nur um eine präzise Schlafanalyse, sondern auch um die persönliche Entstehungsgeschichte der Beschwerden, das genaue Erfassen der einzelnen Symptome und die Krankheitsentwicklung.

Nach einem eingehenden Gespräch kommen für den Patienten folgende diagnostische Möglichkeiten zum Einsatz:

Schlaf-Fragebogen
Um das subjektive Beschwerdebild zu erfassen, füllt der Patient spezifische Fragebögen aus, die verschiedenste Aspekte von Schlafstörungen erfassen und überdies Hinweise geben auf mögliche Angst- und Gemütsstörungen sowie auf die Art des Umgangs mit Konflikten.

Schlaf-Tagebuch
Darin protokollieren die Patienten während 14 Tagen ihren Schlaf hinsichtlich Bettzeiten, Schlafdauer, Aufwachreaktionen, Erholsamkeit, störenden nächtlichen Einflüssen usw. Das Erfassen der subjektiven Wahrnehmung des gestörten Schlafs ist für die Behandlung, respektive für den Behandlungserfolg, von grosser Bedeutung.

Aktometer
Der so genannte Aktometer ist ein Bewegungsmesser, welcher während zwei Wochen am Tag und in der Nacht wie eine Uhr am Handgelenk getragen wird. Er speichert die durch Bewegungen ausgelösten Signale in Minutenintervallen ab. Mit Hilfe eines Computers werden diese Daten danach grafisch dargestellt und zeigen den Ruhe-Aktivitäts-Rhythmus des Patienten. So können das unter alltäglichen Lebensbedingungen bestehende Schlaf-Wach-Verhalten und die Schlafunterbrüche objektiv erfasst werden.

Polysomnografie
Wenn die vorgenannten Diagnostikmethoden einen Verdacht auf eine organische Ursache begründen oder die Ursachen der Insomnie schwer zu klären sind, besteht die Möglichkeit einer so genannten Polysomnografie. Für diese Untersuchung verbringt der Patient eine Nacht im Schlaflabor. Während dieser Nacht werden für den Schlaf wichtige Biosignale aufgezeichnet, z.B. Hirnstromkurven (EEG), die Aktivität der Augen (EOG), die kontinuierliche Muskelanspannung am Kinn sowie an den unteren Extremitäten, die nächtliche Atemanstrengung sowie der Atemfluss. Körperliche Ursachen von Schlafstörungen können mit Hilfe der Polysomnografie zuverlässig diagnostiziert und entsprechend erfolgreich behandelt werden.

Andere medizinische Untersuchungen
Im Einzelfall können neurologische sowie HNO- oder Blutuntersuchungen sinnvoll sein. 

Behandlung

Nichtmedikamentöse Therapie
Aufgrund wissenschaftlich gut belegter Erfolge nimmt die nichtmedikamentöse Behandlung chronischer Insomnien den wichtigsten Platz unter den möglichen Therapien ein. Diese wird von, in der Schlafmedizin spezialisierten, Psychologen durchgeführt. Die durchschnittliche Behandlungszeit umfasst sechs bis acht Wochen. Der Erfolg dieser therapeutischen Vorgehensweise ist meist lang anhaltend und befähigt die Patienten, schlafbezogene Krisen auch in Zukunft besser zu bewältigen: Sie haben gelernt, sich selbst zu helfen.

Die Behandlung besteht dabei aus den folgenden Therapie-Elementen: 

Aufklärung über den Schlaf und gute Schlafhygiene
Die Aufklärung über die Eigenschaften eines gesunden oder gestörten Schlafs sowie über natürliche, altersabhängige Veränderungen des Schlafs und den individuellen Schlafbedarf sind für Menschen, die unter Insomnie leiden, wichtig. Oft bestehen nämlich falsche Vorstellungen (z.B. die Überzeugung, jeder gesunde Mensch müsse acht Stunden schlafen), die zu einer Erwartungshaltung führen, welche die Anspannung und damit die Ein- und Durchschlafprobleme verstärkt. Die Korrektur solcher Fehlinformationen bringt meistens bereits eine gewisse Entspannung.

Zur Aufklärung gehört auch der Vergleich der individuellen Schlafwahrnehmung mit messbaren Daten (Aktometrie und/oder Polysomnografie). Oft tragen solche objektiven Informationen dazu bei, beim Betroffenen Ängste abzubauen und Distanz zur eigenen Schlafproblematik zu schaffen.

Unter Schlafhygiene verstehen Schlafpsychologen eine Reihe von Regeln und Massnahmen, die zur Förderung des Schlafs beitragen können, z.B. das Einhalten regelmässiger Bettzeiten, Einführung eines Schlafrituals, der Verzicht darauf nachts die genaue Zeit laufend auf einer Uhr beim Bett abzulesen usw. 

Bettzeitrestriktion und Vermeiden von Wachliegezeiten
Patienten mit chronischen Schlafstörungen verlieren ihren natürlichen biologischen Rhythmus. Die im Bett verbrachte Zeit entspricht meist nicht der Schlafdauer, sondern besteht aus viel Wachliegezeit. 
Zur Wiederherstellung des natürlichen Rhythmus müssen die Bettzeiten den tatsächlichen Schlafzeiten angepasst werden. Der Schlafmediziner nennt das "Bettzeitrestriktion": Die Verkürzung der Bettzeiten erzeugt eine verstärkte Schläfrigkeit zum Zeitpunkt des Zubettgehens. Die Patienten schlafen schneller ein und schlafen besser durch. Nach einer gewissen Zeit stabilen Schlafs können die Bettzeiten in Viertelstundeneinheiten wieder schrittweise verlängert werden.

Auch um die positive Verbindung zwischen der Vorstellung vom Bett und der Vorstellung von Schlaf und Entspannung wiederherzustellen, ist es wichtig, das Bett nicht für zweckfremde Beschäftigungen (z.B. arbeiten oder fernsehen) zu benutzen. Zudem ist es wichtig, längere Wachliegezeiten zu vermeiden. Deshalb sollten die Betroffenen nur dann zu Bett gehen, wenn sie sich wirklich schläfrig fühlen oder aufstehen, wenn sie länger nicht schlafen können. Der Schlafmediziner nennt das Stimuluskontrolle: Der Betroffene kann dadurch lernen, das Bett wieder mit Schlaf und nicht mit Wachliegen zu verbinden.

Gedankenkontrolle
Viele Menschen machen sich Sorgen wegen ihres Schlafs oder grübeln, wenn Sie nachts wach liegen. Das ist normal. Aber wenn die Sorgen und Grübeleien zu stark werden, stören sie den Schlaf. Dies wiederum verstärkt die Sorgen um den Schlaf und es entsteht ein Teufelskreis. Beispiele für Sorgengedanken können sein: 

  • Ich habe die Kontrolle über meine Schlaffähigkeit verloren.
  • Ich werde sicher nicht einschlafen können.
  • Ich werde Morgen nicht gut funktionieren.
  • Ich kann ohne Schlafmedikamente nicht einschlafen.
  • Meine Schlafstörung wird meine Gesundheit ruinieren.

Ein erfahrener Schlafpsychologe kann seine Patienten individuell dabei unterstützen, die Sorgengedanken zu verändern und helfen die Grübeleien in Schach zu halten.

Tagesaktivierung
Darunter versteht der Schlafmediziner Massnahmen, die den Betroffenen dazu motivieren, sich wegen seiner Schlafprobleme weder körperlich zu schonen noch sich aus seinem sozialen Beziehungs- und Beschäftigungsnetz zu lösen. Körperliche Aktivierung und verstärktes Bemühen um soziale Kontakte helfen nämlich bei der Stabilisierung des Ruhe- und Aktivierungsmusters tagsüber und während der Nacht.

Ein längerer Mittagsschlaf tagsüber ist zu vermeiden, wenn er den nächtlichen Ein- und Durchschlafproblemen zusätzlich Vorschub leistet.

Entspannung
Insomniepatienten weisen oftmals eine erhöhte körperliche, gedankliche und emotionale Anspannung auf. Um diese zu reduzieren und die Entspannungsfähigkeit zu verbessern, haben sich unterschiedliche Methoden bewährt, zum Beispiel die progressive Muskelrelaxation, autogenes Training und atembezogene oder meditative (aufmerksamkeitsbezogene) Entspannungstechniken. Die Wahl der Methode im Einzelfall richtet sich nach den individuellen Vorlieben und Erfahrungen des Patienten. Ziel ist, durch eine regelmässige (tägliche) Anwendung der Entspannungstechniken zum einen die Grundanspannung zu senken und zum anderen die kurzfristige Entspannungsfähigkeit zu verbessern.

Bei vielen Patienten ist die Eigenmotivation so stark, dass eine konsequente Anwendung der Massnahmen nach circa zwei bis drei Monaten zur erfolgreichen Beseitigung der Schlafstörung führt. Im Einzelfall ist danach für eine gewisse Dauer noch eine beratende oder therapeutische Begleitung nötig, denn Insomniker weisen oft schädliche Stressbewältigungsformen auf, was sich schlafverhindernd auswirkt. In einer klärenden Beratung werden solche langfristig schädlichen Mechanismen aufgedeckt und, mit Hilfe des Schlafpsychologen, durch gemeinsam erarbeitete hilfreiche Verhaltensmuster ersetzt.

Hemmschwelle überwinden

Im gegenwärtigen medizinischen Versorgungssystem stehen leider nur wenige Anlaufstationen für Personen mit Schlafproblemen zur Verfügung. Studien der letzten Jahre haben jedoch gezeigt, dass Insomnien keine schicksalhaft hinzunehmende Leiden sein müssen. Wichtig ist, dass Betroffene die Hemmschwelle, "wegen Schlafproblemen gehe ich doch nicht zum Arzt", überwinden, bevor die Störung mit ihren Begleiterscheinungen chronisch wird. Erfolgt die Suche nach professioneller Hilfe früh, so lässt sich das komplizierte Ursachen- und Bedingungsgeflecht einer Insomnie besser entwirren, was die Chancen für eine effektive Therapie erhöht.